Internationalität in der GuSp-Stufe

von Paul Kubalek
"Was!? Die GuSp sind doch nicht international! Es fahren doch erst die Caravelles und Explorer ins Ausland auf Lager!", oder was "Internationalität in der Guides/Späher-Stufe" alles beinhaltet, ist ein durch aus diskutierenswertes Thema.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Schwerpunkt "Weltweite Verbundenheit": "Das Leben und die Eigenarten anderer achten; die Gemeinschaft des Weltpfadfindertums kennenlernen und sich damit beschäftigen" - so heißt das Ziel zum Schwerpunkt (VO, 1.7 "Arbeitsziele der Stufen") - und, was soll das heißen?

Da ist einmal das Thema Toleranz. GuSp sind alt genug, um sich mit Eigenarten anderer Menschen auseinander zu setzen, zu akzeptieren, dass nicht alle ähnlichen Gewohnheiten und Traditionen nachgehen wie sie selbst. Zum Beispiel gehen sie in die gleiche Schulklasse mit muslimischen Kindern, die Mädchen tragen Kopftücher und die muslimischen Burschen machen - auch (aus der Sicht der Kids) ganz "komische" Sachen - sich damit auseinander zu setzen, Kontakte zu knüpfen und verstehen zu lernen, das können Kids zwischen 10 und 13 Jahren. Natürlich können sich GuSp auch mit den Menschen im fernen Osten oder Westen beschäftigen, aber naheliegend ist doch, mal das Greifbare, das was sie selbst erleben, anzusehen - wie heißt es so schön im Stufenziel? "...Aufgaben in seinem/ ihrem Lebensbereich erfüllen" - genau, daher liegt es nahe, mit dem zu beginnen, was vor der eigenen Tür liegt!

Weltpfadfindertum kennenlernen... das ist leicht, oder? Da wäre die Pfadigeschichte, die bunten Uniformen, die Jamborees... Und was ist das Wesentliche daran? Es ist schön zu wissen, wo wir herkommen, wann und wo die Pfadis gegründet wurden und wo es uns überall gibt. Sehr wichtig dabei erscheint mir aber, über die verbindende Idee Bescheid zu wissen und darüber, dass wir in unserer Bewegung voneinander lernen und versuchen zu verstehen wie andere Völker so sind und damit zu einem friedlichen Miteinander beitragen.

Fragt sich nur mehr, wie die GuSp zu all dem "Wissen" kommen sollen. Sehr naheliegend sind Heimstunden zu Themen wie "Koche ein ausländisches Gericht" oder "Kennst Du jemanden, der einer anderen Religionsgemeinschaft angehört als Du? Finde das Wesentliche seiner Religion heraus und berichte in der Patrullenstunde." (Mehr findest Du in unserem Ideenpool, dem Erprobungsheft "Joker-Gemeinsam die Erprobungen wagen"). Die Praxis zur Theorie sozusagen ist dann, Kontakte zu GuSp aus anderen Gruppen zu knüpfen (2.-Klasse-Grunderprobung "Welche PfadfinderInnengruppen gibt es in Deiner Umgebung, woran sind sie zu erkennen (Halstuch, Gruppenwappen...)? Plane mit Deiner Patrulle ein Treffen zum Kennenlernen von GuSp anderer Gruppen."). Das geht nicht nur am Bezirksabenteuer. Bei den WiWö haben die Kinder davon gehört, dass es auch woanders Pfadis gibt als nur in der eigenen Gruppe, vielleicht haben sie auch einmal an einem Bezirkstreffen teilgenommen. Bei den GuSp steht also die "nächste Steigerungsstufe" an, der direkte Kontakt zu einer Patrulle aus einer Nachbargruppe. Oder: Habt Ihr eine Partnergruppe? Ladet doch mal eine Patrulle aus dieser Gruppe ein!

Fragt sich noch, was das mit den CaEx war und den Auslandslagern. Bei den CaEx heißt es im Schwerpunktziel zur weltweiten Verbundenheit: "...Vorurteile erkennen und Toleranz üben durch Kontakte mit Jugendlichen anderer Weltanschauungen, Konfessionen und Länder"- das ist wie eine Steigerung: WiWö: Kontakte untereinander, andere "sehen", GuSp: erste Kontakte mit anderen, über weiter Entferntere hören, CaEx: auch die Entfernten treffen. Und warum sollen die GuSp ausländische Pfadis nicht treffen? Verbieten kann Dir natürlich niemand, dass Du mit Deinen GuSp ins Ausland fährst, immerhin fahren die einen oder anderen vermutlich mit ihren Eltern auch nach Griechenland oder wo auch immer hin. Die Frage ist eher: Ist es sinnvoll, mit den GuSp ins Ausland zu fahren? Am Lager wird idealerweise das Programm, das unter dem Jahr gelaufen ist kontinuierlich fortgesetzt, also wenn Du nach England fährst auch nicht anders als wenn es in Österreich ist. Nachteile: Die Anfahrt dauert länger, der Preis ist teurer und die GuSp können sich am Hike nicht nach dem Weg erkundigen, weil sie normalerweise nur sehr gebrochen englisch sprechen. Genauso verhält es sich damit, wenn Du versuchst eine englische und eine Deiner Patrullen zusammenzuspannen und mit ihnen gemeinsam Programm zu machen. Du wirst alles doppelt erklären müssen und die Kids haben maximal nebeneinander das gleiche, nie aber miteinander (und voneinander) erlebt. (Ein bisschen eine Ausnahme davon stellt natürlich eine Reise ins deutschsprachige Ausland dar.) Bedenke auch, dass der Unterschied in der Entwicklung bei GuSp im ersten Jahr zu denen im dritten Jahr sehr groß ist und gerade junge GuSp kaum mehr von einem Auslandslager mitnehmen können als beeindruckt zu sein. Ausserdem ist es ein Anreiz zu CaEx bzw. RaRo zu gehen, weil sie ins Ausland auf Lager fahren. Wenn Du schon mit den GuSp dorthin fährst, fällt dieser Anreiz weg.