Friedenserziehung

von James Denk
Von Krieg & Frieden, Gut & Böse oder Leben & Tod - Friedenserziehung ist ein wichtiger Bestandteil der Grundsätze der PPÖ, er spiegelt sich in einigen Schwerpunktzielen wider. Zur Zeit ist dieses Thema wieder sehr aktuell. Krieg gibt’s allerdings nicht nur, wenn wir die Bilder aus dem Irak sehen. Wir sind noch immer weit davon entfernt, dass in einem Großteil der Welt Frieden herrscht.

Die aktuellen Ereignisse

März und April dieses Jahres standen im Zeichen des Krieges im Irak. Kaum ein Thema hat in den letzten Monaten die Medien mehr beherrscht. Viele Leute sprechen darüber, es gibt Aktionen dafür oder dagegen, die EU, die NATO und die UNO werden vor eine Zerreißprobe gestellt - kurzum eine weltpolitisch äußerst spannende und tragische Situation. Der Kampf von Gut gegen Böse wird in den westlichen Medien propagiert. Sagenumwobenes Geheimdienstmaterial, das die Existenz von Massenvernichtungswaffen beweisen soll, bildet die Grundlage für einen Krieg. Ein amerikanischer Präsident wird vom Kongress mit der Allmacht ausgestattet, ohne weitere Abstimmung einen Krieg befehlen zu können. Der irakische Böse schwört seine Männer auf sich ein, errichtet sein Verteidigungskonzept und versprüht Propaganda. Natürlich denkt keiner der beiden Staatsmänner daran, nachzugeben.

Der Krieg beginnt, die Strategen spielen eine Runde "Command & Conquer", die Opfer in der zivilen Bevölkerung sind klarerweise gering, denn die "guten" Waffen verschonen alle zivilen Einrichtungen und Personen. Flüchtlinge werden am Grenzübertritt nach Syrien mit Waffengewalt gehindert, einige davon erschossen. Wenn auch schon der Krieg an Schrecken verloren haben soll, dann bleibt jedoch noch immer die Frage "Warum?" – vielleicht sollte ich mich mehr vor der wirklichen Antwort auf diese Frage fürchten.

Die Grundsätze der PPÖ

Wir erziehen zum Frieden – eine vergleichsweise einfache Aufgabe in Österreich, zumindest auf den ersten Blick. Der Zweite Weltkrieg liegt schon Jahrzehnte zurück und geopolitisch gesehen leben wir in einer sehr stabilen Region. Wir haben also in Zukunft eher gute Chancen, keinen Krieg auf dem eigenen Staatsgebiet austragen zu müssen! Gott sei Dank, wir leben in Frieden! Ich stelle mir vor, wäre ich Pfadfinderleiter in Palästina, dann wäre diese Aufgabe nicht mehr so einfach bzw. gefahrlos zu bewerkstelligen. Wir sitzen zumeist auf dem Beobachterstuhl und verfolgen die Ereignisse in "fernen" Ländern in den Medien - d.h. auch wenn wir uns für den Frieden engagieren, steht nicht unser Leben auf dem Spiel. Die Auswirkungen von Gewalt in Form von Krieg sind für uns selten wirklich authentisch erlebbar. Wie stellen wir nun das mit der Friedenserziehung vernünftig an? Ein kurzer Blick in die Schwerpunktziele der GuSp hält einige interessante Ansätze parat.

Verantwortungsbewusstes Leben in der Gemeinschaft - demokratische Spielregeln einhalten Um Demokratie zu leben, muss demokratisches Verhalten erst erlernt und geübt werden, denn es ist nicht immer einfach, mit demokratisch getroffenen Entscheidungen umgehen zu können.

Weltweite Verbundenheit - das Leben und die Eigenarten Anderer achten Aus Angst, Ignoranz, Arroganz und Hass ist vielen Menschen auf der Welt, ob ihrer Eigenheiten, Leid geschehen.

Kritisches Auseinandersetzen mit sich und der Umwelt - fähig sein, seine Eigenschaften kritisch zu betrachten und eigene Schwächen zu überwinden; Informationen und Anweisungen überdenken Angst, Wut, Jähzorn, aber auch Leichtgläubigkeit, sich gerne in den Wind zu drehen, sowie fehlende Zivilcourage sind Eigenschaften, die Gewaltbereitschaft eskalieren lassen kann. Wer kann wann über seinen Schatten springen.

Der Irak-Krieg - veranstaltet als Medienspektakel; welche Informationen entsprechen der Wahrheit, was ist Propaganda? Diese Teile der Schwerpunktziele für GuSp beinhalten schon eine große Vielfalt an Grundlagen, um einen Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen bzw. - wenn er entsteht - friedlich zu lösen.

Wie die GuSp dieses Thema beschäftigt

Meiner Erfahrung nach bekommen die GuSp das Thema Krieg zu einem großen Teil über die Gespräche im Kreise der Familie mit. Als ich mit meinen Kids über den Krieg im Irak geplaudert habe, hatte ich bei gewissen Statements den Eindruck, die Eltern der Kinder sitzen mir gegenüber. Manche GuSp fesselt ein Beitrag von einem Kriegsschauplatz, weil man Explosionen und Waffen sehen kann. Ich denke, vielen sind die Auswirkungen einer solchen Waffe nicht bekannt, bzw. kennen sie diese nur aus Filmen. Eines jedoch ist gewiss - das Gute gewinnt immer! Geopolitisches Taktieren, wirtschaftliche Interessen, politische Resolutionen und taktische Schachzüge der Militärs sind für die GuSp nicht fassbar. Wichtig ist es, für eine Seite Partei zu ergreifen - das ist dann der Gute!

Wie kann jetzt eine Seite zum Guten werden?

Meiner Erfahrung nach spielen dabei Vorurteile, die Meinung der Eltern, die Medien, die kulturelle Verbundenheit (Angst vor etwas Fremden) oder einfach nur die Macht einer Seite (der Stärkere = der Gute) eine entscheidende Rolle. Die älteren GuSp engagieren sich sehr gerne für ein Thema oder eine Sache. Interessant ist jedoch, welche Motivation dahinter steht. Abgesehen vom Aufbau von Feindbildern (vgl. Anti-Amerikanismus) ist der Krieg in Österreich ein weitestgehend steriles Thema. Das Bild "Abendessen - hungernde Kinder in den Nachrichten - Katzenfutterwerbung" kennen wir ja. Vieles, was wir in den Medien sehen, betrifft uns nicht direkt - warum auch immer. Ich denke, wir dürfen nie vergessen, was der Krieg mit sich bringt, die Verletzten, die Toten und das Leid vieler Menschen! In unseren Breiten gilt der Tod eines lieben Menschen zu Recht als tief traurige Angelegenheit – was hieße das in Bezug auf ein Massengrab? Ich möchte den GuSp zeigen, was in einem Krieg wirklich passiert, dass Nichts mit der nächsten Werbepause weggelöscht sein kann! Ich möchte den GuSp mitgeben, dass Gewalt nur der letzte Ausweg sein kann und dass jeder Mensch deshalb eine große Verantwortung mit sich trägt und das beginnt schon in der Patrulle!

Friedenserziehung als Bestandteil des GuSp Programms

Ich möchte meinen GuSp im für sie und mit ihnen gestalteten Programm diesbezüglich einige Impulse mitgeben. Diese umfassen Konfliktlösung in der Patrulle, Konfrontation mit anderen Sichtweisen zu bestimmten Themen, die Bereitschaft, andere Sichtweisen zu akzeptieren, Fremdartiges kennen zu lernen, nicht alles zu glauben, was in den Medien veröffentlicht wird, und im Ansatz die negativen Auswirkungen von Gewalt und Krieg verstehen zu können. Ganz wichtig ist es, den GuSp dieses Thema in ihrem Lebensbereich erlebbar und begreifbar zu machen. Bei den GuSp ist der sicherlich beste Rahmen dazu die Patrulle, hier können sie in sicherer Umgebung ihr Verhalten in Konfliktsituationen erleben. Eben diese gesicherte Umgebung ist der Grundstein, um sich mit solch einem Thema gewinnbringend auseinanderzusetzen.