Evalutation. Evlutat ... - Was? Ah, Evaluation!

von Gregor Kos
Du hast ihn sicher schon oft gehört - es ist einer dieser "Modebegriffe", der seit einigen Jahren in Firmen und auch in der Politik die Runde macht. Viel verwendet, oft missbraucht und doch eine spannende Sache, wenn richtig angewandt. Doch worum geht's eigentlich?

Begriffsklärung

"Evaluation (Evaluierung) ist in der allgemeinsten Bedeutung die Bewertung von Prozessen und Organisationseinheiten, insbesondere in Verwaltung oder Wirtschaft. Mit Evaluation kann sowohl der Prozess als auch das Ergebnis gemeint sein. Das ursprünglich aus dem Französischen stammende Wort "Evaluation" wurde in den 1980er Jahren aus dem Englischen übernommen. Die Wortbedeutung "Bewertung" wurde dabei zunächst verengt auf die Bewertung insbesondere der Arbeit von Bildungsinstitutionen; inzwischen wird auch in anderen sozialen Handlungsbereichen "evaluiert"."

Die Evaluierung der GuSp-Stufe

Auf Bundesebene setzt sich der Bundesarbeitskreis für GuSp (also die Landes- und Bundesbeauftragten) seit 2002 mit einer Evaluation der GuSp Stufe auseinander. Liebevoll "EVi" genannt haben sich die ProjektmitarbeiterInnen der Aufgabe verschrieben, die GuSp Arbeit (so wie sie in der Verbandsordnung beschrieben ist, aber auch so wie sie in den Gruppen umgesetzt wird) mit aktuellen Entwicklungen der Kinder- und Jugendforschung zu vergleichen (und damit Grundlagen fuer zukünftige Entscheidungen zu schaffen). Als Beteiligter am Beginn dieses Prozesses möchte ich hier einen Teil meiner Eindrücke zu Ansatz und Arbeitsmethode darstellen.

Die GuSp Arbeit zu evaluieren - das klingt aufwendig und ist es auch. Aber wenn du die Entwicklungen und die daraus resultierenden Angebote für Kinder und Jugendliche in den letzten Jahren beobachtet hast, so ist dir sicher die Vielfalt und Dynamik aufgefallen, mit der sich diese Angebote entwickeln – und die wie die GuSp-Arbeit da so hineinpasst ist doch eine berechtigte Frage.

Have a plan

Damit war der Grundstein fuer eine "Begutachtung" der GuSp Arbeit gelegt. Aber damit aus einzelnen Beobachtungen und "so einem Gefuehl im Bauch" ein gutes Projekt wird, braucht es viel (Planungs-) Arbeit. Dabei Anleihe an die Projektmethode zu nehmen, scheint mir ein guter Ansatz zu sein. Zu komplex und ueberfordernd war die Aufgabenstellung, zu einzigartig das Thema. Fuer mich ist das so, wie einE GruppenleiterIn eineN QuereinsteigerIn allein mit 25 Kindern und ohne Betreuung auf Sommerlager schickt. Ohne vorherige Planung kann das desastroes enden. Einige Werkzeuge aus der Projektmethode haben mir geholfen, diesen riesigen Themenkomplex zu strukturieren und in verdaubare bzw. bearbeitbare Happen zu zerteilen und einen Zeitplan dafuer zu erstellen.

Her mit den Infos!

Die Wahl der Informationsquellen ist neben einer detaillierten Planung ein wichtiger Teil der Arbeit. Neben einschlaegiger Literatur ist wohl der Dialog mit internen wie externen ExpertInnen ein wichtiger Teil der Informationsbeschaffung. Letztere erlauben Nachfragen, Klarstellungen, wenn auch der Aufwand - v.a. bei externen ExpertInnen recht hoch ist. JedeR, die/der schon versucht hat, die Pfadfinderei jemand anderem zu erklaeren kennt die Schwierigkeiten und den grossen Erklaerungsbedarf von "Fachbegriffen" ("Die GuSp bestehen in der Patrulle, die von einem Kornetten/einer Kornettin geleitet wird, kleine und grosse Abenteuer auf dem Weg vom Versprechen zur Ersten Klasse" - Moment! Wie war das nochmal?). Aber der Aufwand ist es wert: Neben der Aufgabe, die eigene Arbeit und die Zielsetzungen des Prjekts schluessig zu erklaeren, bekommt man eine Menge an Eindruecken und Fakten von aussen geliefert. Das Rückfragen macht es viel einfacher diese Fakten mit der eigenen Arbeit abzugleichen (Stichwort: die Patrulle als Peer-Group). Aus einem geschriebenen Text allein, ist es oft schwieriger Rueckschlusse zu ziehen.

Stakeholder oder "Ich tät' auch gern etwas davon wissen!" Neben einer strukturierten Planung ist auch die Betreuung aller InteressentInnen (auch Stakeholder genannt) ein wichtiger Punkt. Alle, die mit dem Projekt auf irgendeine Weise zu tun haben müssen nicht nur ueber den Start, sondern auch ueber den Verlauf der Evaluation informiert werden. Dazu gehören unter anderen EntscheidungsträgerInnen, Personen, die Ergebnisse umsetzen sollen. Gerade mit Projekten, deren Ergebnisse weitreichende Konsequenzen haben koennen, ist es wichtig, alle involvierten Personen schon während des Verlaufs über Zwischenergebnisse zu informieren, um Entscheidungen nachvollziehbar und transparent zu machen. Welche Informationen weitergegeben werden und wie – das hängt von der Zielgruppe ab: Ihr tauscht im Gruppenrat andere Informationen aus, als mit den Kindern oder den Eltern – auch wenn es um ein und dieselbe Veranstaltung (z.B. ein Gruppensommerlager) geht.

Eigentlich (so habe ich für mich gesehen) gilt im Großen auch das, was im Kleinen schon gilt, doch müssen aufgrund der Komplexität Prozessse methodischer und bewusster bearbeitet werden, um nicht auf etwas/jemanden zu vergessen. Wer von Euch informiert nicht die Eltern und die GruppenleiterIn, wenn wichtige Entscheidungen in der Truppleitung anstehen? Wer von Euch diskutiert problematische Situationen im Trupp nicht mit anderen LeiterInnen oder gar mit aussenstehenden Personen? Wer von Euch befragt nicht die GuSp, wenn es um die Evaluierung des Programms geht? Viele Dinge passieren ganz "natürlich", andere müssen bewusst bearbeitet werden: Bei einer Evaluation scheint mir letzteres in einem größeren Maße der Fall zu sein.

In diesem Sinne – viel Spass bei Eurer nächsten Evalutation. Evlutat ... - Evaluation!