Welche Bedürfnisse haben Kinder in diesem Alter?

(aus: "KIDS 95 - Die Lebenswelt der 11- bis 14-jährigen"; Österreichisches Institut für Jugendforschung; 1997)

So reagieren wir Leiter in der GuSp-Stufe auf die Bedürfnisse der Kids!

Wir bieten den Kids ein pädagogisch betreutes Lernfeld im Kreise der FreundInnen an.

  • "Freunde und Freundinnen als außerfamiliäre Bezugspersonen sind für Kids eine wesentliche Instanz, um diese Zeit des Umbruchs zu bewältigen."
  • "Eine wichtige Freundschaftsform ist bei den 11- bis 14-jährigen Kids die fixe (Gleichaltrigen-)Gruppe von Mädchen und/oder Buben; also die Clique, die überwiegend aus 6 bis 10 Personen besteht."

    Fix und gleichaltrig! Die logische Antwort der PPÖ ist die gleichaltrige Patrulle, also eine Patrulle, deren Mitglieder etwa gleich alt sind bzw. in die gleiche Klasse oder Schulstufe gehen. Die gleichaltrige Patrulle bleibt alle drei Jahre bei den GuSp möglichst unverändert. Dadurch ist ein noch intensiveres Zusammenarbeiten und gemeinsames Erleben der GuSp-Zeit möglich.

  • "Die häufigsten und beliebtesten Freizeitaktivitäten von 11- bis 14-jährigen Kids sind aufgrund der quantitativen und qualitativen Ergebnisse folgende vier Aktivitäten:"
    1. Stelle: mit meinen Freundinnen was unternehmen (Mädchen), Fernsehen/Video ansehen (Burschen)
    2. Stelle: Musik hören (Mädchen und Burschen)
    3. Stelle: Fernsehen/Video ansehen (Mädchen), Sport betreiben (Burschen)

    Wir müssen lernen, mit diesen Bedürfnissen der Kids umzugehen, auch wenn "Musik hören" und "Fernsehen/Video ansehen" nicht unbedingt zu unserem wöchentlichen Heimstundenprogramm gehören.

  • "Mode, als umfassendes kulturelles Gestaltungskonzept, ist auch für 11 bis 14-jährige ein Thema. Das richtige "Outfit", vor allem im Freizeitbereich, ist für Heranwachsende von entscheidender Bedeutung."

    Die Uniform als Zeichen der Gemeinsamkeit stellt (vor allem in der neuen, roten Variante) kein Problem für die Jugendlichen dar. Wenn sie bei den Pfadis etwas mit anderen tun, dann zeigen sie auch gerne her, dass sie "dazugehören".

  • "Die Eltern sind nach wie vor die primären Bezugspersonen. Im Gegensatz zu den 15- bis 17-jährigen unternehmen die Kids noch gerne etwas mit den Eltern. Besonders beliebt sind gemeinsame Ausflüge oder sportliche Aktivitäten am Wochenende sowie gemeinsame Urlaubsreisen. Nur wenn man mit Gleichaltrigen zusammen ist, hat man die Eltern lieber nicht dabei."

    Es darf also nicht verwundern, dass Weihnachtsfeiern mit den Eltern, Besuchersonntage auf Sommerlagern und ähnliches in der Regel nicht allzu gut bei den GuSp ankommen.

  • "Beinahe jeder zehnte Jugendliche hat Angst vor den Eltern."
  • "Der überwiegende Teil der Kids geht gerne in die Schule, aber nicht in erster Linie aus Interesse am Unterricht, sondern weil Schule für die Kids ein sozialer Treffpunkt mit Gleichaltrigen ist."
  • "Lernen in der Schule wird als notwendiges Mittel zur Erreichung späterer Ziele angesehen."
  • "Die Berufswünsche der Kids sind großteils an der Realität orientiert."

    Gerade in der GuSp-­Stufe ist es wichtig, den Kindern Möglichkeiten zu geben, ihre Fähigkeiten und Interessen zu erkunden. Sie sollen - ohne sich vor negativen Folgen fürchten zu müssen - ausprobieren können: "Was kann ich gut/schlecht." oder "Was tue ich gerne/nicht so gerne."

  • "11-jährige orientieren ihr Handeln und Urteilen eher nach dem Motto: "Wie du mir, so ich dir!" Wogegen bei 14-jährigen die Urteilsfindung eher auf einer Übereinstimmung des eigenen Gewissens mit selbst gewählten ethischen Prinzipien beruht."
  • "Der Wert "verlässliche und gute FreundInnen haben" ist für die befragten Kids von elf zur Auswahl stehenden Werten am wichtigsten. Werte wie "reich und vermögend sein und über andere stehen und bestimmen können" sind am unwichtigsten für das Leben der 11- bis 14-jährigen."
  • "Ihre große Sensibilität und soziale Kompetenz für globale Probleme und Konflikte führt bei einem Teil der befragten Kids zu Ängsten; bei einem großen Teil der 11- bis 14-jährigen Kids lenkt aber gerade diese Unzufriedenheit zum konkreten (politischen) Handeln wie z.B. Engagement in diversen Organisationen (Panda-Club, Vier Pfoten, WWF, Greenpeace...) oder Haltungsänderungen im persönlichen Leben (Mülltrennung, Umweltpapier, Radfahren ...)."

    Die letzten beiden Aussagen zeigen zum Beispiel, dass auch eher anspruchsvolle Erprobungspunkte (z.B. Schwerpunkt "Kritisches Auseinandersetzen mit sich und der Umwelt") durchaus sinnvoll und möglich sind.

  • "Eine deutliche Vorverlagerung der Sensibilität für Umweltfragen im umfassendsten Sinne und des politischen Engagements von den älteren Jugendlichen auf jüngere Jugendliche bzw. Kids kann also auch mit den Daten der KIDS 95-Studie für Österreich bestätigt werden."
  • "Die Übernahme von Geschlechterrollen und die Auseinandersetzung mit ihnen geht in dieser Altersgruppe über weite Strecken in traditionellen Formen von sich."
  • "Die Identifikationsfiguren der Burschen (Sportler, Schauspieler und Musiker) entsprechen dem Bild des "starken" Mannes, der mitunter auch gegen gesellschaftliche Konventionen verstößt. Die weiblichen Vorbilder (Sängerinnen, Models) sind vor allem "schön" und zeichnen sich darüber hinaus durch Angepasstheit aus."

    Hier sollten wir gerade bei den PfadfinderInnen den Mut haben, den Kids bewusst andere Möglichkeiten vorzuleben.


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