EVi spricht
EVi - Die Evaluierung der GuSp-Stufe
Neben der Untersuchung, wie das aktuelle GuSp-Konzept in den Gruppen umgesetzt wird, ist auch folgendes Teil der Evaluierung der GuSp-Stufe:
Teilziel A - GuSp-Konzept überprüfen
Das pädagogische GuSp-Konzept der PPÖ mit den aktuellen Erkenntnissen der Kinder- und Jugendforschung vergleichen und mit Hilfe dieser bewerten.
11) Beteiligung und Transparenz notwendig
Die außerschulische Arbeit mit Kids wird sich um unkonventionelle Formen und Methoden bemühen müssen. Projekte und offene Angebote bieten Kids die nötige Überschaubarkeit und zeitliche Eingrenzung für ihr Engagement. Dabei sollten keine fertigen Angebote und Programme für diese Altersgruppe eingesetzt werden. Vielmehr eröffnet der bewußte Verzicht auf Vorgefertigtes neue Handlungsmöglichkeiten, Chancen zur Entfaltung von Kreativität, von Bedürfnisartikulation und von Bedürfnisbefriedigung. Die derzeit laufenden Angebote müssen daher verstärkt auf die Bedürfnisse der Altersgruppe hin überprüft werden und ein Höchstmaß an Beteiligung und Mitbestimmung ermöglichen. Dazu ist es erforderlich, dass Ziele und Absichten der außerschulischen Jugendarbeit stärker transparent gemacht werden. Kids haben das Recht auf Erklärung und Begründung dessen, was man von und mit ihnen will.
Quelle: Kromer, Ingrid/Tebbich, Heide. ZwischenWelten. Das Leben der 11- bis 14jährigen. Graz-Wien, Verlag Zeitpunkt: 1998.
10) Über die Aufgaben der Anbieter von Freizeitaktivitäten
Für Anbieter jugendadäquater Freizeitgestaltung ist es insbesondere notwendig, über die Funktionen und Anforderungen, die an die freie Lebenszeit gestellt werden, Bescheid zu wissen. Nur dadurch kann sicher gestellt werden, daß bei den Bemühungen, den Jugendlichen ein attraktives Freizeitangebot zu Verfügung zu stellen, tatsächlich der richtige Weg - im Sinne einer Befriedigung der Freizeitbedürfnisse - eingeschlagen wird. Nach Opaschowski (Opaschowski 1996, 29) gestalten sich die diesbezüglichen Bedürfnisse wie folgt:
- Selbst-Aktiv-Sein und Selbermachen gegen Organisierung und Verplanung innerhalb der Arbeitszeit.
- Spontanität und Selbstentfaltung gegen Konsumhaltung und Passivität, die durch die institutionell vorgegebenen Regeln erzeugt werden.
- Sozialkontakt und Gemeinsamkeit gegen Isolation und Vereinsamung, die Symbole einer Vielzahl unkommunikativer Berufe geworden sind und häufig durch diese produziert werden.
- Sich-Entspannen und Wohlfühlen gegen Überforderung und Streß, jenen Begleiterscheinungen der Berufswelt, die in der heutigen Zeit vielfach als normal und üblich angesehen werden.
- Spaß und Lebensgenuß gegen Unlust und Leistungszwang, die beide häufig mit dem Beruf verbunden werden. Die berufliche Tätigkeit, die gleichzeitig Verdienst und Spaß bringt, ist schwer zu finden - und wird von vielen auch noch nicht gesucht. Spaß und Genuß gehören in die Freizeit.
So ist die Gestaltung der freien Lebenszeit oftmals ein Ausgleich zu Defiziten, die sich aus dem regelhaften Charakter der Alltagswelt ergeben. In der frei verfügbaren Zeit möchte man aber auch Überraschendes und Ungeplantes erleben. Dieser Wunsch leitet sich aus dem allgemeinen Trend zur Individualisierung der Menschen ab. Das Streben nach Kreativität und das "Bemühen" um Spontanität wird zur wichtigsten Antriebskraft für informelle Lebensformen und damit auch zum größten Gegner für organisierte und institutionalisierte Freizeitformen, wie sie z.B. von Vereinen, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Jugendorganisationen, etc. oftmals angeboten werden. Daher wird es zu einer Hauptaufgabe dieser Organisationen werden, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. (...) Geht man davon aus, daß die Möglichkeiten der Lustsuche fast ausschließlich in der Freizeit verortet sind, dann wird offensichtlich, daß auch die Anbieter für Freizeitaktivitäten diesem Wunsch verstärkt Rechnung tragen müssen.
Quelle: 3. Bericht zur Lage der Jugend, 1999, S. E-13
9) Partizipation zulassen!
Wer schon als Kind und später als Jugendlicher gelernt hat, dass Wünsche nur "beim Christkind" oder "beim Salzamt" zu deponieren sind, hat wenig Mut, sich als Erwachsener mit seinen Interessen deutlich zu artikulieren, geschweige denn konstruktiv mitzugestalten. Daher sind alle Instrumente, jede Methode und alle Wege, die dazu führen, Partizipation und Demokratie zu leben und zu erfahren, wichtig und zu begrüßen.
Quelle: Sozialpädagogik und Jugendarbeit im Wandel, Hrsg. Verein Wiener Jugendzentren, 1999, S168
8) Partizipation und ihr Einfluss auf das Wertesystem der GuSp.
Die Einbindung von GuSp in den Entscheidungsprozess ermöglicht es ihnen durch eigene Erfahrung im konkreten Leben die Werthaltungen hinter gelungener Teamarbeit zu entdecken. Es geht um ein ehrliches Ringen um gemeinsame Ziele, um zuhören, um Aufmerksamkeit gerade gegenüber den Meinungen anderer, um das entdecken der Stärken eines wirklichen Konsens. Letztlich um zu erkennen, dass ein "sich Einbringen" mit seinen Fähigkeiten und seiner Energie, d.h. die Bündelung der einzelnen Kräfte im Team, zu mehr Erfolg und Befriedigung führt, denn eine egozentrische, konkurrenzierende Selbstdarstellung. Diese Werthaltungen sind essentiell um eine tolerante und solidarische Gesellschaft aufzubauen:
"Youth participation can lead to improved academic achievement by increasing the substantive knowledge and practical skills that come from "real life-problemsolving, while also strengthening social responsibility and long-term civic values. In contrast to youth who accept their situation as a given, participants are more likely to think critically and to actively challenge their circumstances. In contrast to youth who do not view themselves as a group, participants play roles that contribute to collective action and prepare them to make a difference. These roles can have particular importance for at-risk or economically disadvantaged youth."
Barry Checkoway (1996) Adults as Allies, School of Social Work. University of Michigan. Seite 3, Quelle: www.wkkf.org/pubs/YouthED/Pub564.pdf
Und was meint WOSM dazu?
"However, in Scouting we want to achieve more, because we have a set of values to be discovered and adopted by young people: the Scout Law. The Scout Law should not be preached, said Robert Baden Powell, it should be discovered through experience. It is by being involved in the process of identifying needs, exploring solutions, making decisions and planning action, sharing responsibilities, evaluating group life and deciding common rules that young people will gradually discover the values of the Scout Law and develop a deep adherence to these values. Youth involvement in decision-making is essential for the development of moral autonomy."
Quelle: WOSM (2002) Youth Involvement. Reference Guide, WOSM Strategy Resources, Seite 7
7) Ein Plädoyer für das Patrullensystem als der sozialen Einheit bei den GuSp.
Unter den vielfältigen freizeitgebundenen Gesellungsformen von Jugendlichen nimmt die Gleichaltrigengruppe einen besonderen Stellenwert ein. Die sozialen und psychischen Funktionen der Gleichaltrigengruppe sind sehr vielseitig. Drei wesentliche seien hier aufgezählt:
"Die Gruppen bilden interne Gefühls- und Handlunsstrukturen aus und üben soziale Spielregeln ein: Es müssen Gemeinsamkeiten festgestellt und anerkannt sein, die gegenseitigen Bedürfnisse respektiert werden und auch Spannungen ausgehalten und gelöst werden, um dauerhafte Beziehungen als Freundschaften entwickeln zu können.
Gleichaltrigengruppen bieten den Jugendlichen die Chance, Handlungskompetenzen zu entwicklen, die ihnen andernorts altersphasenspezifisch vorenthalten werden. Die Jugendlichen können hier Teilrollen spielen, die in Familie und Schule so nicht ausgeübt werden können oder dürfen. Dabei wird die Einzigartigkeit der eigenen Gefühlswelt und die Besonderheit der Ich-Erfahrung gegenüber den oft kritisierten Verhaltensmustern der Erwachsenen betont.
Die Jugendlichen erfahren in der Gleichaltrigengruppe Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, Alternativen zur Routine des familialen und schulischen Alltags sowie soziale Anerkennung, Sicherheit und Solidarität vor allem über befriedigende soziale Kontakte."
Quelle: Klaus Hurrelmann, 1999, Lebensphase Jugend, Seite 152f.
6) Die drei Säulen der geschlechtsbezogenen Pädagogik:
- aus einem gesellschaftspolitischen Blickwinkel ist eine Analyse des Geschlechterverhältnisses vorzunehmen.
- aus einem auf das Individuum bezogenen Blickwinkel ist es wichtig, die Entwicklung weiblicher und männlicher Identitäten zu betrachten.
- aus einem an der pädagogischen Alltagspraxis orientierten Blickwinkel durch die geschlechtsbezogene Einflussnahme auf Mädchen und Jungen in Form geschlechtshomogener Gruppenarbeit und geschlechtsspezifischer Wahrnehmung koedukativer Strukturen.
Quelle: Glücks, Elisabeth u.a.: "Geschlechtsbezogene Pädagogik". Votum, Münster: 1996.
5) Neue Sicht in der pädagogischen Arbeit mit Jungen
Wenn pädagogische Arbeit mit Jungen nicht zur bloßen Methode "Jungenarbeit" verkommen soll, muss in der Pädagogik und Erziehung eine neue Sichtweise auf Jungen Einzug halten. Jungen müssen als geschlechtliche Wesen betrachtet und verstanden werden, in ihren geschlechtstypischen Stärken und Schwächen angenommen sein mit ihren Problemen; mit denen, die sie haben und mit denen, die sie anderen machen.
Quelle: Glücks, Elisabeth u.a.: "Geschlechtsbezogene Pädagogik". Votum, Münster: 1996
4) Dealing with Spirituality
In Scouting, there is too often confusion between spiritual development and religious education. There is a tendency to ensure that one´s "Duty to God" is fulfilled simply by adding some religious activities to Scout activities. Many Scout leaders are trapped in this rigid notion and feel unable to deal with spiritual development. As a result, they do nothing about it (...) There is no need to add external elements to Scouting in order to stimulate the spiritual development of young people. What we need to do is to take advantage of all the elements within the Scout programme and propose activities which already include a spiritual dimension.
Quelle: World Scout Bureau: Scouting and Spiritual Development, 2001, S. 42
3) Transition of Faith
Living the transition between a child´s faith, given by the family like a gift that illuminates their childhood, and an adult faith that is personal, intimate and consistent with one's acts, is also a process that begins in this stage and will not end until later. Much later, in most cases. (...) Discovering that transcendence is essential to human existence is something that takes time and effort, on the part of both young people and the adults who accompany them in this process.
Quelle: World Scout Bureau: Handbook for Leaders of the Scout Section, 2002, S. 19
2) Mädchen & Abenteuer
Erleben Mädchen das gleiche als Abenteuer, was Jungs so definieren, oder passen sie sich wieder einmal mehr dem männlich geprägten Stil von Jugendarbeit an? Wie sieht es bei uns selber aus? Welche unterschiedlichen Vorstellungen und Erfahrungen haben wir mit Abenteuerfreizeiten (...)?
Quelle: Fischer, Klawe, Thiesen: (Er)leben statt reden, 1985, S. 177: Kann man Abenteuer lernen?
1) Kompetenzvermittlung
Aktivität und Mitverantwortung können für die Durchführung geplanter Projekte von den Jugendlichen nur gefordert werden, wenn sie entweder die entsprechende Handlungskompetenz besitzen (zB. durch Lehre, Beruf, Lebenserfahrung etc.) oder ihnen gleichzeitig die Möglichkeit gegeben wird, diese zu erwerben. (...) Teil der Bildungsarbeit des Pädagogen ist es deshalb, den Jugendlichen die nötigen Handlungskompetenzen zu vermitteln und immer wieder neue Aktivitäten zu finden, in denen die Jugendlichen ihre Kompetenzen erweitern und so mehr Teilbereiche des Freizeitangebots (...) eigenständig übernehmen können.
Quelle: Fischer, Klawe, Thiesen: (Er)leben statt reden, 1985, S. 175: Kann man Abenteuer lernen?
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