Thomas Geierspichler zu Gast bei den Pfadis

von Philipp Pertl (Bundespressesprecher PPÖ)
Paralympicsieger, Weltmeister und Weltrekordhalter Thomas Geierspichler besuchte am Pfingstsonntag die PWA - Pfadfinder Wie Alle!
Thomas Geierspichler zu Gast bei den Pfadis

Thomas und der Unfall

Es ist der 4. April 1994, halb sechs am Morgen. Gemeinsam mit einem Freund ist Thomas auf dem Rückweg aus der Disco. Noch zwanzig Kilometer bis Anif. Er schnarcht auf dem Beifahrersitz. Doch auch sein Freund am Steuer kann sich nach dieser langen Nacht nicht mehr wachhalten. Er verfehlt eine Kurve und rast geradeaus weiter gegen eine Mauer. Plötzlich ist Thomas wieder hellwach. Es qualmt. Das Auto ist nur noch Schrott. Thomas kann sich nicht bewegen, seine Beine sind eingeklemmt. "Ich hab' gemerkt, wie es an den Füßen kribbelt. Es stieg immer weiter hoch, über die Beine und den Unterleib bis zum Oberkörper. Und dann hab ich mich auf einmal nicht mehr gespürt." Thomas bekommt die Panik. "O nein, bloß nicht in den Rollstuhl." An mehr kann er sich nicht erinnern. Einige Stunden später wacht er auf der Intensivstation auf. "Mein ganzer Körper hat gebrannt wie Feuer."

Die Kraft zum Weiterleben

Er hat zumindest überlebt, aber wie geht es weiter? Nach dem Krankenhaus ging es in die Rehabilitation und bald kamen auch Drogen und Alkohol dazu, die ihn beeinflussten. Sehr bald wurde ihm jedoch klar, dass das nicht das Leben sein kann, wenngleich er ab nun nicht mehr gehen kann. Eine Behinderung zu haben, das ist in dieser schnelllebigen Zeit ein Problem, dachte Thomas und so setzte er sich mit der Bibel auseinander, obwohl er nicht wirklich religiös war. Dann sah er auch den fatalen Sturz von Hermann Maier 1998 in Nagano und der Entschluss war gefasst: "Einmal möchte ich, dass man für mich die österreichische Bundeshymne spielt." Und Thomas änderte sein Leben.

Der Erfolg

Als Ausnahmeathlet ist Thomas mittlerweile Europameister, vielfacher Weltrekordhalter und Weltmeister. Seit 2004 hat er das Traumziel jedes Sportlers erreicht: olypisches Gold bei den Paralympics in Athen, der Heimstätte des Sports. Dazu noch dreimal Silber und einmal Bronze. Es ist der Sieg eines Mannes über sich selbst. Die Überwindung des Handicaps mit der Kraft der Motivation und einem unbeugsamen Willen, der ihn vorangetrieben hat. Und Thomas sitzt noch immer im Rollstuhl, zufriedener und glücklicher als je zuvor.

Integration ist nicht fad

Seit über 30 Jahren findet das "Pfingst'l", ein Pfadfinderlager mit Bewohnern von Betreuungseinrichtungen wie der Caritas, Diakonie oder der Volkshilfe, das sich der Integration von geistig und körperlich behinderten Menschen widmet, statt. Am Pfingstsonntag war der Weltmeister und Paralympicsieger Thomas Geierspichler zu Gast bei den Pfadfindern in St. Georgen. Die Kinder, Jugendlichen und vor allem die PWA's, Pfadfinder wie wir alle, waren von Thomas Geierspichler und seiner positiven Lebenseinstellung begeistert. Er erzählte, dass er sehr gerne Auto fährt, wobei seine Behinderung kein Hindernis dabei ist und er mit einem Handantrieb sein Fahrzeug lenkt. Geschwindigkeit ist trotz des Verkehrsunfalls ein Thema für ihn, das ihn fasziniert und beeinflusst. Seinen Rollstuhl betreibt er mit Handkraft und mit 30 km/h kann er da schon unterwegs sein. Die absolute Spitzengeschwindigkeit stellte er mit 72 km/h bergab auf, wobei die Nervosität bei ihm dabei enorm war. Geierspichler ist von der Idee und Umsetzung der Integration, wie sie bei den Pfadfindern betrieben wird, sehr begeistert und hat sich sehr wohl gefühlt im Kreis der Jugendlichen. Integration gelingt ganz leicht, wenn man sich darauf einlässt, als Pfadfinder oder Pfadfinderin gehört es natürlich zur Lebensphilosophie.

PWA – Pfadfinder Wie Alle!

Die Pfadfinderbewegung zählt weltweit über 38 Millionen Mitglieder und ein Teil davon sind die PWA – Pfadfinder Wie Alle!, PfadfinderInnen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. Es gehört zum Selbstverständnis der Pfadis, Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen in jede Gemeinschaft zu integrieren und den Kindern und Jugendlichen dadurch ein verantwortungsvolles Handeln und Denken mitzugeben.

Bildnachweis (Artikelbild): www.geierspichler.com